Artikel unter 'Wertpapiere'

BGH entscheidet für Telekom-Aktionäre

Der Bundesgerichtshof hat am 21.10.2014 entschieden, dass der Verkaufsprospekt, den die Deutsche Telekom AG anlässlich des dritten Börsengangs im Jahr 2000 herausgegeben hat, fehlerhaft ist.
Nach Ausführung des BGH habe der Prospekt nicht ausreichend dargelegt, dass die Deutsche Telekom AG Aktien des US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Sprint Corporation nicht verkauft, sondern nur konzernintern übertragen hatte. Der Konzern habe damit weiterhin das volle Risiko des Kursverlustes der Sprint-Aktien in Höhe von 6,6 Milliarden Euro getragen.
Der BGH nahm einen Anspruch aus Prospekthaftung gemäß § 13 VerkProspG a.F. i. V. m. § 45 BörsG a.F. analog an, da im Prospekt angegeben wird, dass die Deutsche Telekom AG im Jahr 1999 aufgrund des konzerninternen Verkaufs der Anteile an der Sprint Corporation einen Buchgewinn in Höhe von 8,2 Milliarden Euro realisiert hätte. Insoweit sei der Prospekt objektiv falsch. Selbst für einen bilanzkundigen Anleger sei bei der gebotenen sorgfältigen und eingehenden Lektüre des gesamten Prospekts nicht ersichtlich gewesen, dass die Sprint-Aktien nicht verkauft, sondern im Wege der Sacheinlage auf eine 100%-ige Konzerntochter, die NAB Nordamerika Beteiligungs Holding GmbH, übertragen wurden (sogenannte „Umhängung“). Der Prospekt zeige damit nicht ausreichend auf, dass die Deutsche Telekom AG trotz Übertragung der Aktien innerhalb des Konzerns weiterhin das volle Risiko eines Kursverlustes der Sprint-Aktien mit allen dividendenrelevanten Abschreibungsrisiken trug. Im Prospekt hätte laut BGH dargelegt werden müssen, dass der Beteiligungsbuchwert an der NAB in Folge der Umhängung um 9,8 Milliarden Euro gestiegen war. Nur so wäre erkennbar gewesen, dass der Beteiligungsbuchwert im Fall eines Kursverlustes der Sprint-Aktien in derselben Höhe sinken würde und deshalb eine Sonderabschreibung in Höhe des kompletten Kursverlusts – wie hier in Höhe von 6,653 Milliarden Euro – vorgenommen werden müsste, was wiederum unmittelbaren Einfluss auf den Bilanzgewinn der Aktionäre in künftigen Geschäftsjahren und damit die Dividendenerwartung der mit dem Prospekt angesprochenen Anleger haben würde. Das alles ergebe sich aus dem Prospekt aber nicht.
Daraus habe selbst ein bilanzkundiger Anleger die tatsächlichen Beteiligungsverhältnisse im Jahr 1999 und die sich daraus ergebenden Risiken nicht ableiten können.
Damit stehe das Vorliegen eines Prospektfehlers für sämtliche Ausgangsverfahren bindend fest.

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Hypo Real Estate sammelt Milliarden ein

Die Tochtergesellschaft der HRE, die Deutsche Pfandbriefbank hat eine 1,5 Milliarden Euro große Anleihe ausgegeben.

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Bad-Bank Konzept muss nachgebessert werden

Die deutschen Kreditinstitute haben nach Schätzungen faule Wertpapiere im Wert von 200 Milliarden Euro im Bestand. Diese sollten nach Plänen der Bundesregierung auf eine sog. Bad-Bank übertragen werden. Die Privatbanken halten das Konzept aber für verbesserungswürdig, da eine Bad-Bank Inanspruchnahme womöglich von der EU genehmigt werden müsse und dass dieser Prozess sehr zeitintensiv werden kann, sieht man im Fall der Eigentumsspritzen für die Commerzbank.

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(Verzinsliche) Wertpapiere

Was sind verzinsliche Wertpapiere?

Es handelt sich um Anleihen, Renten, Fonds oder Obligationen, die auf den jeweiligen (anonymen) Inhaber oder einen bestimmten Inhaber als Schuldver-schreibungen festgesetzt sind. Sie sind mit einer festen oder variablen Verzinsung versehen und haben eine vorgegebene Laufzeit und Tilgungsform. Der Käufer einer solchen Schuldverschreibung hat einen Geldanspruch gegenüber dem ausgebenden Schuldner.


Welche Grundbegriffe muss man bei verzinslichen Wertpapieren kennen?

Verzinsliche Wertpapiere werden entweder in einer Sammelurkunde verbrieft oder es werden Einzelurkunden mit bestimmten Nennwerten ausgedruckt. Das sind dann sog. effektive Stücke, die im Gegensatz zu Sammelurkunde auch durch den Anleger verwahrt werden können.

Nicht immer entspricht der Ausgabepreis dem Nennwert. Man unterscheidet An-leihen zu pari (100%), über und unter pari. Bei einem Wertpapier, das unter pari ausgegeben wird, wird auf den Nennwert mit dem sog. Disagio ein Abschlag gemacht. Bei einer Anleihe über pari wird der Nennwert um das sog. Agio ergänzt. Als Ertrag gibt es beim verzinslichen Wertpapier die Zinszahlungen während der Laufzeit bzw. am Ende der Laufzeit, ggf. auch in Form einer Wertsteigerung (Differenz zwischen anfänglichem und letztem An- und Verkaufspreis). Grund-sätzlich gilt: je länger die Anlage, desto höher der Ertrag.

Was ist bei der Ausstattung eines verzinslichen Wertpapiers zu beachten?

Wichtig ist, dass immer die Emissionsbedingungen beachtet werden müssen. Dort sind Laufzeit, Währung, Tilgung, Rand im Insolvenzfall oder bei Liquida-tion des Schuldners, sowie die Verzinsung geregelt.

Laufzeit:
Es gibt die Unterscheidung zwischen kurzfristig (bis vier Jahre), mittelfristig (bis acht Jahre) und langfristig (ab acht Jahre Laufzeit).

Tilgung:
Man unterscheidet zwischen planmäßiger und außerplanmäßiger Tilgung. Planmäßige Tilgung liegt vor bei gesamtfälligen Anleihen (festes Ende mit festem Rückzahlungsbetrag), Annuitäten-Anleihen (Rückzahlung in Jahresraten), Aus-losungsanleihen (der Anleger kennt de Rückzahlungstermin nicht). Eine außerplanmäßige Tilgung ist dagegen dann denkbar, wenn vorzeitig gekündigt wird.

Verzinsung:
Es handelt sich um ein sehr differiertes Gebiet, da neben dem Festzins und dem sog. variablem Zins auch zahlreiche Mischformen bestehen. Die festverzinsliche Anleihe wird dabei als Straight Bonds bezeichnet und hat einen festen Zins (Nominalzins) für die gesamte Laufzeit. Variabler Zins (Floating Rate Notes) wird immer nur für bestimmte Perioden gezahlt und wechselt dann abhängig von Geldmarktsätzen wie EUROBOR oder LIBOR. Der Zinssatz wird also re-gelmäßig neu festgelegt. Bei diesen sog. Floaters gibt es zahlreiche Besonder-heiten und Gestaltungsmöglichkeiten, beispielsweise mit einer Mindestverzin-sung (Floors) oder einer Maximalverzinsung (Caps). Daneben gibt es sog. Mini-Max-Floater (Collared Floater) die eine Mischform aus Floor- und Cap-Verzinsung darstellen. Der Reverse Floater (Inverse / Bull Floater) ermittelt sei-nen Zinssatz aus einem festen und einem Referenzzinssatz.

Eine weitere Zinsform sind die Nullkupon-Anleihen (Zero Bonds). Das sind Anleihen, die nicht mit Zinskupons ausgestattet sind, sodass hier die Differenz zwi-schen dem Rückzahlungskurs und dem Kaufpreis den Zinsertrag bis zur Endfälligkeit darstellt. Es gibt deshalb nur eine Schlusszahlung. Ähnlich sind sog. Stripped Bonds, bei denen Zinskupons von der Hauptforderung abgetrennt werden.

Unterscheidungen sind auch zwischen Kombizins- und Step-Up-Anleihen möglich. Erstere laufen meist einige Jahre ohne Zinskupon und dann danach mit ei-nem überdurchschnittlich hohem Zins. Letztere wirtschaften mit einem anfäng-lich niedrigen und später höherem Zins.

Zuletzt gibt es Zinsphasen-Anleihen, die eine Mischform aus fest- und variabel verzinslichen Anleihen darstellen.

Währung:
Ein Anleger kann zwischen Anleihen in EURO und ausländischen Währungen unterscheiden. Daneben gibt es sog. Doppelwährungsanleiehen, bei denen Kapi-tal und Zinsen in verschiedenen Währungen ausgestaltet sind. Diese Doppel-währungsanleihen sind häufig mit Call- und Putoptionen (Kauf bzw. Verkauf) versehen.

Insolvenz und Liquidation:
Man differenziert zwischen vorrangigen, gleichrangigen und nachrangigen Anleihen, je nachdem wie die Ansprüche des Anlegers im Verhältnis zu sonstigen Gläubigern stehen.

Welche den Kurs beeinflussenden Faktoren gibt es während der Laufzeit?

Da es sich bei solchen Wertpapieren um Anleihen handelt, die in der Regel auf einem offiziellen Sekundärmarkt veräußert werden können, sind immer zu beachten:

Das aktuelle Marktzinsniveau
Die noch zu erwartenden Zinsänderungen
Die Bonität des Emittenten
Angebot und Nachfrage
Bei strukturierten Anleihen die Produktstruktur

Welche Sonderformen von Anleihen gibt es ?

Wandelanleihe:
Es handelt sich um eine Anleihe auf Abruf, die in der Regel von einer Aktienge-sellschaft aufgegeben wird. Dem Inhaber dieser Anleihe wird das Rechte eingeräumt, diese während einer Wandlungsfrist und in einem festgelegten Wand-lungsverhältnis in Aktien des Unternehmens zu wandeln. Dabei ist häufig eine sog. Sperrfrist vorgesehen.

Umtauschanleihen:
Diese auch exchangeable bonds genannten Wertpapiere räumen dem Inhaber das Recht ein, die Anleihe in Aktien einer anderen Gesellschaft umzutauschen. Der Anleger erhält damit nicht die Aktie des emittierenden Unternehmens, son-dern die eines Drittunternehmens.

Optionsanleihen:
Diese Schuldverschreibung räumt dem Anleger das Recht zum Erwerb von Ak-tien oder auch anderen Vermögenswerten ein und zwar über einen sog. Optionsschein, der auch neben der Anleihe gesondert gehandelt werden kann. Es gibt also die Anleihe mit Optionsschein, die Anleihe ohne Optionsschein und den Optionsschein.

Strukturierte Anleihen:
Solche strukturierten Anleihen sind eine Kombination aus Anleihe- und Aktienprofil. Man unterscheidet vor allem zwei Arten in diesem Bereich.

Die Aktienanleihe ist der Umkehrfall zur Wandelanleihe, das heißt, dass der Emittent das Recht hat, anstelle der Rückzahlung des Nominalbetrags eine von Vornherein festgelegte Anzahl von Aktien zu liefern (sog. reverse convertibles). Hierfür gibt es einen besonders hohen Zinskupon. In diesem Bereich gibt es dann auch bestimmte Andienungsschwellen und Regelungen, die während der Laufzeit einen Bezug zum Aktienbereich nahe legt. Ein Spezialfall sind Two-Asset-Aktienanleihen, bei denen ein Andienungsrecht bezüglich zweier Aktien-arten besteht (sog. knock-in-Akitenanleihen).

Daneben gibt es Anleihen mit indexorientierter oder aktienkorborientierter Verzinsung. Das sind dann Anleihen, deren Verzinsung sich an der Entwicklung eines Index oder eines Aktienkorbs orientiert. Das heißt, dass der Rückzah-lungsbetrag variabel ist.

Es gibt weiterhin eine Vielzahl von weiteren Gestaltungsformen im Bereich der strukturierten Anleihen, beispielsweise sog. Repackagings. Dabei geht es darum, dass eine Drittforderung besteht. Der Anspruch gegen das Drittunternehmen wird als Anleihe gegenüber einem Pufferunternehmen ohne Eigenvermögen ausgestaltet, natürlich mit dem entsprechenden Risiko der Forderungsrealisierung.

Welche Emissionsmärkte gibt es für verzinsliche Wertpapiere?

Man unterscheidet vor allem mit Blick auf das Herkunftsland und spricht des-halb von Inlands-, Auslands- und internationalen Anleihen (Eurobonds). Eurobonds sind dabei nicht mit Anleihen zu verwechseln, die auf die gemeinsame europäische Währung EURO lauten.

Was ist in Bezug auf unterschiedliche Emittenten zu beachten?

Die Differenzierung der einzelnen Emittenten ist deshalb so wichtig, da die Bo-nität des Emittenten ein wesentliches Kriterium für die Sicherheit der Kapitalanlage ist. Es gibt deshalb folgende Emittentengruppen:

Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand
Beispiele: Bundesanleihen, Bundesobligationen, Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze
Bankschuldverschreibungen
Beispiele: gedeckte Verschreibungen (Pfandbriefe)
Unternehmensanleihen / Industrieobligationen
Schuldverschreibungen ausländischer Emittenten

Wie kann ich als Anleger die Sicherheit von Wertpapieren beurteilen?

Ein wesentliches Kriterium ist die Zahlungsfähigkeit bzw. Zahlungswilligkeit des Emittenten. Die öffentliche Hand bzw. eine Bank ist insoweit sicherer als ein Privatunternehmen. Es ist auch darauf zu achten, ob der Emittent nicht ein ausgelagertes Tochterunternehmen mit geringer Haftungssumme ist. Ebenso ist zu prüfen, wie die Inanspruchnahme erfolgen kann. Einem ausländischen Emit-tenten ist in der Regel schlechter beizukommen, als einem inländischen.
Es sind folgende Sicherheitsmerkmale für verzinsliche Wertpapiere in Deutsch-land zu unterscheiden:

Mündelsicherheit nach §§ 1807 ff. BGB (es handelt sich um eine sehr hohe Sicherheitsstufe)
Deckungsstockfähigkeit (liegt vor, wenn gesondertes Vermögen gebildet werden muss, zur Besicherung der Ansprüche des Anlegers)
Notenbankfähigkeit (hohe Qualitätsansprüche der ESZB)

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