Maßnahmen zur finanziellen Eingliederung in Großbritannien

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Viele Kapitalmarktprodukte wie Bankkonten, Kredite oder z.B. die Teilnahme am Lastschriftverfahren gehören heute zum selbstverständlichen Lebensalltag in der Gesellschaft. Ein Ausschluss von diesen Finanzdienstleistungen kann für den einzelnen erhebliche finanzielle und gesellschaftliche Folgen haben. In Großbritannien wird das Phänomen, dass bestimmte Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu grundlegenden Finanzdienstleistungen wie Girokonten oder erschwinglichen Krediten haben, als „Financial Exclusion“ bezeichnet. Es ist seit den 1990er Jahren in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, da sich herausstellte, dass der Anteil der Personen, die noch nicht einmal Basisfinanzdienstleistungen wie ein Girokonto in Anspruch nimmt, im Vergleich zu anderen westlichen Ländern besonders groß  ist.

Hintergrund
Von „Financial Exclusion“ besonders betroffen sind vor allem erwerbslose Personen und Rentner. Ein Grund für den fehlenden Zugang zu Bankkonten liegt auf der einen Seite in einer fehlenden Bereitschaft zur Inanspruchnahme von Bankdienstleistungen und einem Misstrauen gegen bargeldlosen Zahlungsverkehr. Oft fehlt es aber auch an adäquaten Angeboten auf Seite der Finanzdienstleister. Hier hat die britische Regierung in den vergangenen zwanzig Jahren zahlreiche Reformbemühungen unternommen, um zumindest den Zugang zu einem Girokonto für jedermann sicherzustellen.

Verbesserter Zugang zu Bankkonten
Die Teilhabe am Finanzmarkt ist ohne ein Konto zur Abwicklung von Zahlungen meist von vornherein ausgeschlossen. Die Regierungsprogramme, die auf die Reduzierung der Haushalte ohne Konto gerichtet sind, sind daher von besonderer Bedeutung.
Wesentliche Reformen brachte das „Universal Banking Programme“ von 2003. Dieses eröffnet für Personen, die kein Girokonto eröffnen wollen, einen besonderen Kontotyp. Dieses ist ausschließlich für die Abwicklung von bestimmten Sozialleistungen, Renten und Steuerrückzahlungen gedacht. Es wird kostenlos geführt, Überziehungen sind nicht möglich. Die Kontoeröffnung und Bargeldauszahlung erfolgt über Poststellen.
Daneben existieren sog. „Basic Bank Accounts“, die inzwischen von vielen Banken angeboten werden. Es handelt sich im Wesentlichen um gebührenfreie Girokonten, die ausschließlich auf Guthabenbasis geführt werden und daher keine Bonitätsprüfung bei Kontoeröffnung erfordern. Auch für diese ist seit dem Universal Banking Programme der Zugang über Poststellen eröffnet.
Als Erfolg der Reformprogramme konnte die Zahl der Erwachsenen, die keinen Zugang zu Bankkonten haben, von 2, 8 Mio. im Jahr 2004 auf 1, 5 Mio. im Jahr 2010 gesenkt werden.

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