Insiderhandel und M& A-Transaktionen

Artikel gespeichert unter: Frankreich


Die Verhinderung von Insiderhandel wird auch in Frankreich durch europäische Richtlinien geprägt. Zu nennen ist insbesondere die Marktmissbrauchsrichtlinie (2003/6/EG vom 28.Januar 2003), die durch weitere Richtlinien näher konkretisiert wurde. Auch vorher indes sah das französische Recht bereits Regelungen zur Verhinderung des Insiderhandels vor, deren Verletzung sowohl durch aufsichtsrechtliche als auch strafrechtliche Sanktionen geahndet werden konnte.
Wann eine Insiderinformation vorliegt, wird durch die Marktmissbrauchsrichtlinie für das Aufsichtsrecht vorgeben. Die strafrechtliche Begriffsdefinition dagegen wurde von der Rechtsprechung entwickelt. Beide Tatbestände ähneln sich indes, wobei der Straftatbestand enger gefasst ist. So gilt dieser nur für Emittenten bzw. Titel, die zum Handel an einem regulierten Markt zugelassen sind und umfasst z.B. kein Empfehlungsverbot, dazu kommt das Erfordernis vorsätzlichen Handelns. Strafrechtliche und aufsichtsrechtliche Delikte ziehen also unterschiedliche Verfahren nach sich, die nebeneinander möglich sind, wobei Geldbußen gegenseitig angerechnet werden können.
Gerade bei M&A-Transaktionen droht ein Konflikt mit dem Verbot des Insiderhandels. Vor dem Erwerb wesentlicher Firmenbeteiligungen wird regelmäßig eine „Due Diligence“-Prüfung durchgeführt, bei der der Investor bestimmte Informationen über das Unternehmen offen legt. Es stellt sich dabei die Frage, ob ein Investor gegen das Verbot des Insiderhandels verstößt, wenn er nach der Due-Diligence-Prüfung  Aktien der Gesellschaft erwirbt. Seit 2003 existiert eine behördliche Empfehlung zur Gestaltung der Due Diligence zur Vorbereitung eines Aktienverkaufs durch einen Aktionär, an der sich die Praxis orientiert. Diese sieht vor, dass während der Due Diligence interessierte Parteien nicht mit Finanzinstrumenten der Emittenten handeln und keine Informationen an Dritte weitergeben dürfen. Die Verhandlungspartner müssen eine Vertraulichkeitsabrede abschließen. Nach dieser Empfehlung soll eine Due Diligence nur zulässig sein,  wenn der Verkauf einer erheblichen Beteiligung erwogen wird, wobei der Investor seine ernsthafte Kaufabsicht durch einen Letter of Intent bestätigen muss. Zudem sollen die Informationen, die im Rahmen der Due Diligence-Prüfung offengelegt werden nur die Kaufabsicht bestätigen und das Geschäft konkretisieren, aber nicht erst den Ausschlag für das Kaufinteresse geben.

Haben Sie Fragen? E-Mail an das Forschungsinstitut

« Das neue Bucheffektengesetz     Die französische Kapitalmarktaufsichtsbehörde AMF »

Themen

Links

Feeds