Die Aktiengesellschaft in Polen

Artikel gespeichert unter: Polen


Das polnische Gesellschaftsrecht unterscheidet zwischen Personen-und Kapitalgesellschaften. Kapitalgesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass lediglich die Gesellschaft haftet, nicht aber die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen. Für größere Gesellschaften steht hier die Form der Aktiengesellschaft zur Verfügung.

Allgemeines
Die Aktiengesellschaft ist eine Kapitalgesellschaft, deren Grundkapital in Aktien mit gleichem Nennwert aufgeteilt ist. Sie kann durch eine oder mehrere Personen gegründet werden, wozu ein Mindestkapital von 500.000 PLN erforderlich ist. Nach ihrer Gründung besitzt sie den Status einer juristischen Person und kann im eigenen Namen Rechte und Verbindlichkeiten begründen.

Organisation
Nach polnischem Gesellschaftsrecht besitzt eine Aktiengesellschaft drei Pflichtorgane: den Vorstand, den Aufsichtsrat und die Hauptversammlung. Der Vorstand vertritt die Gesellschaft nach außen und führt die Geschäfte. Er kann aus einer oder mehreren natürlichen, unbeschränkt geschäftsfähigen Personen bestehen, die nicht notwendig Gesellschafter der Aktiengesellschaft sein müssen. Soweit die Satzung keine anderweitigen Vorschriften enthält, wird er durch den Aufsichtsrat bestellt und abberufen. Der Aufsichtsrat ist auch für die Überwachung des Vorstands zuständig und kontrolliert z.B. die Jahresabschlüsse. Er besteht aus mindestens drei, bei börsennotierten Gesellschaften aus fünf Mitgliedern, die auf maximal fünf Jahre bestellt werden. Eine einmalige Wiederwahl ist zulässig. Die Hauptversammlung der Aktionäre ist zuständig für Satzungsänderungen. Grundlagenentscheidungen bedürfen zwingend ihrer Zustimmung. Darüber hinaus können ihr durch Satzung weitere Zuständigkeiten übertragen werden.

Kontrollmechanismen
Die interne Überwachung des Unternehmens wird vor allem durch die Aufgabenteilung und das Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Organen sichergestellt. In Polen werden die Vorschriften des Gesetzbuches der Handelsgesellschaften ergänzt durch einen Verhaltenskodex. Gesellschaften, die an der Warschauer Börse notiert sind, müssen jährlich einen Corporate Governance Bericht veröffentlichen und die Verletzung von Verhaltensvorschriften aus dem Kodex auch in Form von ad hoc-Mitteilungen bekannt geben. Dennoch besitzt der Kodex keine Gesetzeskraft. Die Kontrolle durch Anteilseigner soll vor allem durch verschiedene Publizitätspflichten sichergestellt werden.

Rechte von Minderheitenaktionären
Zum Schutz von Minderheitenaktionären sind diesen verschiedene Rechte eingeräumt. Sie besitzen z.B. das Recht, eine Einberufung der außerordentlichen Hauptversammlung zu verlangen und das Recht, Schadensersatz für die Gesellschaft geltend zu machen. Am bedeutsamsten ist die Möglichkeit, durch die Bildung von Gruppen bei der Wahl des Aufsichtsrates durchaus erheblichen Einfluss auf dessen Zusammensetzung zu nehmen. Dagegen sind z.B. keine obligatorischen Mitwirkungsrechte der Arbeitnehmer bei der Wahl des Aufsichtsrates vorgesehen.

Haben Sie Fragen? E-Mail an das Forschungsinstitut

« Reform des US-amerikanischen Kapitalmarktrechts     Pflicht des Anlagevermittlers zur Plausibilitätsprüfung einer Modellberechnung »

Themen

Links

Feeds