Kapitalanlage für einen US-Trust

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Im US-amerikanischen Recht kann ein Trust viele Funktionen wahrnehmen. Grundelement eines trusts ist es, dass Vermögen auf einen trustee zur Verwaltung für andere (beneficiaries) übertragen wird. Den beneficiaries sollen die Nutzungen des Vermögens zugute kommen.
Der trustee verwaltet somit zwar rechtlich sein eigenes Vermögen, jedoch im fremden Interesse. Aus diesem Grund unterliegt er bei der Vermögensverwaltung besonderen Vorgaben. Auch Kapitalanlageentscheidungen kann der trustee nicht ausschließlich nach eigenem Belieben treffen.

„prudent investor rule“
In den meisten Bundesstaaten der USA lehnen sich die Regeln, denen ein trustee bei der Anlage des Trust-Vermögens unterliegt, an das Modellgesetz von 1994 an, sodass in weiten Teilen einheitliche Rechtsgrundsätze gelten. Kernstück des Modellgesetzes ist die „prudent investor rule“.  Der trustee ist bei Anlageentscheidungen und bei der Verwaltung des trust-Vermögens zur Anwendung vernünftiger Vorsicht, Sorgfalt und Kenntnis verpflichtet. Dies betrifft vor allem den Entscheidungsprozess als solchen. Ob der trustee seinen Pflichten entsprechend gehandelt hat, wird objektiv und aus ex-ante-Sicht bestimmt, d.h. es kommt auf die Erkenntnisse an, die zum Zeit der Anlageentscheidung vorhanden waren.

Maßstab der zu erwartenden Kenntnisse und Fähigkeiten
Grundsätzlich muss die Anlageentscheidung des  trustees dem Kenntnisstand und den Fähigkeiten einer normal intelligenten Person entsprechen. Verfügt der trustee indes über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten, z.B. weil es sich um einen professionellen Vermögensberater handelt, sind seine tatsächlichen Kenntnisse entscheidend.

Diversifizierungspflicht
Der trustee darf grundsätzlich auf jede Anlageform zurückgreifen. Das Gebot zur Anwendung der gebotenen Vorsicht und Vernunft verbietet ihm daher z.B. nicht, auch auf spekulativere Anlageformen zurückzugreifen. Maßgeblich ist stattdessen die Portfolio-Gestaltung insgesamt: den trustee trifft die Pflicht, durch Diversifizierung des trust-Vermögens das Risiko großer Verluste und die Risiken der Einzelanlagen möglichst zu eliminieren.

Die jeweilige Zusammenstellung des Portfolios muss in ihrem Verhältnis von Risiko und Rendite an die Rahmenbedingungen und Anforderungen des jeweiligen trusts angepasst sein. Zu berücksichtigen sind z.B. der Zweck des trusts, die voraussichtliche Dauer des Bestandes und der ständige Finanzbedarf, insbesondere auch die Zahl der Begünstigten. Diesen Bedürfnissen entsprechend muss der trustee das Portfolio zusammenstellen und laufend an eventuelle Änderungen der Rahmenbedingungen anpassen.

Weitere Pflichten
Der trustee ist zur Loyalität und Unparteilichkeit zwischen den beneficiaries verpflichtet. Dies verbietet ihm insbesondere den Abschluss von Geschäften, bei denen die Gefahr einer Interessenkollision besteht. Der trustee kann daher z.B. für einen trust keine Wertpapiere erwerben, die durch den trustee emittiert wurden.

Auch direkte Veräußerungen von Kapitalanlagen im Verhältnis zwischen dem trustee und dem trust sind nur dann wirksam, wenn z.B. die beneficiaries ausdrücklich zugestimmt haben oder die Vornahme des Geschäftes gerichtlich gestattet worden ist. Dies gilt unabhängig davon, ob das Geschäft für die beneficiaries vorteilhaft oder nachteilig ist.

Zu den weiteren Pflichten zählt auch die Verpflichtung, nur solche Kosten zu verursachen, die in einem angemessenen Verhältnis zum trust-Vermögen stehen. Kostenerwägungen beeinflussen die Wahl der Kapitalanlage daher sowohl im Hinblick auf direkte Erwerbskosten und Gebühren als auch in steuerlicher Hinsicht.

Es ist dem trustee nicht verboten, Dritte mit der Anlage und Verwaltung des trust-Vermögens zu betrauen. In diesem Fall ist der trustee allerdings zur sorgfältigen Auswahl und Überwachung des Anlageberaters oder Vermögensverwalters verpflichtet.

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